Gehört das zur Aktienkultur?

Meine Meinung, wonach man die Veröffentlichung von Analystenstudien verbieten sollte, wird an Hand des folgenden Beispiels nochmals eindrucksvoll bestätigt.

Da meldete H&R Wasag ein rekordverdächtiges Ergebnis:

„18.08.2010 – Die H&R WASAG AG hat im 1. Halbjahr 2010 erheblich von der konjunkturellen Erholung profitiert und bleibt für das Gesamtjahr auf Wachstumskurs: Der Umsatz legte um über 60 Prozent auf € 537,9 Mio. zu. Das Ergebnis je Aktie konnte mit € 0,88 mehr als verdoppelt werden. Das EBITDA stieg um 53,9 % auf € 51,4 Mio. Deutlich überproportional zum Umsatz erhöhte sich das EBIT um 85,3 % auf € 41,5 Mio. Noch stärker wuchs der Konzernüberschuss, der sich auf € 26,3 Mio. (1. Hj. 2009: € 12,6 Mio.) mehr als verdoppelte. Auf Basis des erfolgreichen ersten Halbjahres präzisiert das Unternehmen die Prognose und erwartet für 2010 ein EBITDA zwischen € 85 Mio. und € 95 Mio.“ (Quelle: http://www.chemie.de/news/d/121609/?WT.mc_id=ca0065)

Die Reaktion der Analysten folgte:

„10.09.2010 10:59

Unicredit hebt H&R Wasag auf ‚Hold‘ – Ziel 19 Euro

Die italienische Großbank Unicredit hat H&R Wasag von „Sell“ auf „Hold“ hochgestuft, das Kursziel aber auf 19 Euro belassen. Der Kursrutsch habe die Aktie des Spezialchemieunternehmens unter sein Kursziel gedrückt, schrieb Analyst Markus Mayer in einer Studie vom Freitag. Er rechnet mit anhaltenden Prognosesenkungen des Marktes, die weiter belasten dürften. Zudem seien der geringe Streubesitz und das niedrige Handelsvolumen Risiken, vor allem bei hoher Volatilität des Gesamtmarktes bedingt durch äußere Einflüsse. Kurzfristig gebe es daher kaum Kurspotenzial.“ (Quelle: http://www.finanznachrichten.de/nachrichten-2010-09/17926304-unicredit-hebt-h-r-wasag-auf-hold-ziel-19-euro-322.htm )

Argumente: Das Kursziel des Analysten wurde unterschritten, der Analyst stuft die Aktie ab und sieht wegen des geringen Handelsvolumens Risiken. (Die jedoch noch höher werden, wenn ein Analyst eine negative Studie veröffentlicht und Anleger, die durch diese Studie verunsichert sind oder charttechnisch orientiert und von Fundamentalanalyse wenig Ahnung haben, panisch verkaufen.)

Plötzlich gibt es eine Investorenkonferenz. Nach dieser erkennt Herr Mayer, dass er da doch wohl ein wenig „daneben“ lag:

„22.09.2010 15:38

Unicredit hebt H&R Wasag auf ‚Buy‘ – Ziel 19 Euro

Die italienische Großbank Unicredit hat die Aktien von H&R Wasag nach einer Investorenveranstaltung von „Hold“ auf „Buy“ hochgestuft, das Kursziel aber bei 19,00 Euro belassen. Nach der Herabstufung der Bewertung des Spezialchemieunternehmens im Anschluss an die Zahlen für das zweite Quartal sei der Aktienkurs von H&R Wasag um 15 Prozent eingebrochen, schrieb Analyst Markus Mayer in einer Studie vom Mittwoch. Bei der jüngsten Veranstaltung habe das Unternehmen nun bekräftigt, dass der Ausblick weiter glänzend sei. Mayer sieht in der Kursschwäche daher einen günstigen Einstiegszeitpunkt und beziffert das Aufwärtspotenzial der Aktie auf 14 Prozent.“ (Quelle: http://www.finanznachrichten.de/nachrichten-2010-09/18032166-unicredit-hebt-h-r-wasag-auf-buy-ziel-19-euro-322.htm )

Fazit: Nun sollen die Anleger die „riskante, weil schlecht handelbare Aktie“, plötzlich wieder kaufen. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt.

Was ist jedoch von diesen Analysen zu halten?

Nun, Anleger werden komplett verunsichert. Der Analyst ändert innerhalb weniger Tage seine Meinung, manipuliert durch seine „Analysen“ den Kursverlauf der Aktie. Die Begründungen sind äußerst fadenscheinig.

Wozu benötigen wir derartige Analysen?

Wir brauchen uns angesichts dieser „Vorkommnisse“ eigentlich nicht zu wundern, dass Anleger aus der Anlageklasse Aktie fliehen, die Anzahl der Aktionäre in jedem Jahr zurückgeht.

Im Sport gibt es klare Regeln, an die sich alle Gegner zu halten haben. Wenn eine Mannschaft nach eigenen Regeln spielen kann und die andere nicht, dann ist es kein Wunder, wenn niemand mehr mitspielt und z.B. am Aktienmarkt sein eigenes sauer verdientes Geld nicht mehr investiert- das macht einen gewaltigen Unterschied!!

Richtig ist meiner Meinung nach das Vorgehen, was ich am Montag kurz beschrieben hatte: In Chile legen Pensionsfonds das Geld in die Aktien der Unternehmen des Landes an. Das stabilisiert den Markt, was Hilfspakete oder Bankenrettungen, Gesetze wie zuletzt Basel III usw. weitestgehend überflüssig macht. All das geschieht zum Wohle des Volkes.

In welche Krisen sollen uns die Banken denn noch manövrieren dürfen, bevor einmal etwas geschieht?

Ich bleibe dabei: Bankanalysen dürfen den Markt nicht mehr manipulieren. Ihre Veröffentlichung muss verboten werden. Wir benötigen eine Aktien- und keine Casinospielerkultur bzw. –mentalität.

Weiterhin sollte eine Bank wie die Unicredit einmal die Qualität der Analysen, die sie veröffentlicht überprüfen. Eine Analyse sollte keine fandenscheinigen Argumente enthalten, sondern Fakten, die zumindest für die kommenden Monate relevant sein könnten- auch wenn das in der aktuell turbulenten  Marktphase eine große Herausforderung darstellt. Sollte das nicht möglich sein, dann ist die beste Analyse die Analyse, die nicht geschrieben bzw. veröffentlicht wird.

(P.S.: Das obige ist nur ein Beispiel, es lassen sich täglich weitere finden.)


http://www.bonusmaxx.de/

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