Sell in May and go away?

0
902

Auch mir macht es mehr Spaß, den Kursen beim Steigen als beim Fallen zuzusehen.

Trotzdem habe ich in diesem Jahr an meine eigenen Einschätzungen gehalten und bereits im März angefangen, Positionen zu verkaufen- zum Glück. Im Premium Dienst hatte ich am 18. März geschrieben:

Mein Indikatorensystem zeigt mir nach dieser Woche nun an, dass wir uns an den Aktienmärkten bereits in einer schwülwarmen Wetterphase befinden. Diesen hohen Stand hatte das System zuletzt im Herbst 2007 erreicht!

Die nächste Gewitterfront ist jedoch noch nicht in Sichtweite, so dass sich die freundliche Stimmung an den Märkten durchaus noch ein paar Tage, vielleicht sogar Wochen fortsetzen könnte. Immerhin hat der Weltleitindex Dow Jones Industrial in der abgelaufenen Woche die Marke von 13.000 Punkten hinter sich gelassen und geht damit auf dem höchsten Stand seit dem Beginn der Rezession in den USA ins Wochenende, der S&P 500 nahm die Hürde von 1400 Punkten, der DAX die 7000 und der Nasdaq 100 Index ist sogar auf das höchste Niveau seit 1999 gestiegen. Noch besser sieht es für  viele „unserer“ Trendaktien aus, von denen viele erneut sogar Allzeithöchstkurse erklommen haben- so wie das langfristige Trenddepot. Ist die dunkle Jahreszeit nun also auch an den Börsen beendet?

Frühjahrsputz im Aktiendepot?

Nichtsdestotrotz werde ich nun ein wenig auf die „Spaßbremse“ treten (vielleicht die Handbremse sanft anziehen, eine Vollbremsung würde ich jedoch noch nicht riskieren):

Wie zuletzt vor einem guten Jahr, würde ich nun langsam, aber sicher auch einmal wieder daran denken, den einen oder anderen (hoffentlich) hohen Gewinn zu realisieren- oder besser noch: den einen und anderen Teilverkauf durchzuführen. Sollten die Kurse weiter steigen, dann wäre man mit der anderen Hälfte der entsprechenden Aktienposition noch dabei und könnte sich über noch größere Gewinne freuen. Sollte das „große“ Unwetter eintreffen, dann würden man bereits in der sicheren Hütte Zuflucht gesucht haben, könnte tief durchatmen, nachdem das Gewitter die Luft gereinigt haben wird und schließlich wieder- vielleicht wie nach dem August-Crash im letzten Jahr??- neue Positionen aufbauen.

Wie man es auch macht… Es ist jedoch wichtig, dass man unterm Strich auf lange Sicht mit seinen Anlagen Gewinne erwirtschaftet- ohne täglich auf Alles reagieren zu müssen. Wer anstatt ständig zu reagieren, zum überlegten Agieren übergegangen ist, hat bereits die Grundlage für seinen langfristigen Erfolg gelegt. Wer sich ärgert, den einen oder anderen Wert „zu früh“ verkauft zu haben und nicht auch einmal mit einem „ordentlichen“ Gewinn zufrieden sein kann, der wird wohl immer einen Grund finden, sich selbst bei strahlendem Frühlingssonnenschein über irgendetwas zu ärgern.“

(Ende Premium Dienst vom 18. März 12)

Wenn man sich ansieht, wie die Großanleger derzeit auf die kleinsten Enttäuschungen bei der Bekanntgabe der Zahlen reagieren, dann

sehe ich mich aktuell darin bestätigt, eher vorsichtig agiert und den einen und anderen Gewinn eingetütet zu haben.

(„Sell in March and your gains are large!“- grammatisch aber nicht ganz richtig, ok.)

1. Cognizant stürzt ab als gäbe es kein Morgen mehr:

 

2. Green Mountain hat es schon letzte Woche erwischt:

Auch dieses Beispiel zeigt, wie wichtig es ist, dass man Werte, die ihren Trend gebrochen haben (aus welchen Gründen auch immer, denn zu diesen können wir zwar unsere Meinung haben, wissen aber nicht, ob sich die Mehrheit der  Investoren unserer Meinung anschließen wird oder doch nicht) verkauft und erst nach der Aufnahme ihres Trends wieder zurückkauft.

Bereits am 19. Oktober hatte ich hier im Tagebuch geschrieben:

Green Mountain Cofffee Roasters: Der Kaffee ist fertig?!

Nun, der war zu diesem Zeitpunkt bereits fertig- schade, aber wahr.

Heute trifft es nun auch Fossil, obwohl man die Erwartungen der Analysten sogar um einen Cent geschlagen hat. Allerdings meldet das Unternehmen niedrigere Gewinnmargen und „kassiert“ den Ausblick. Ob das ein Grund ist, die Aktie in Grund und Boden abzuverkaufen, muss abgewartet werden.

Fazit: Es war richtig, (Teil)Gewinne zu realisieren, doch es gilt: Nach der Party ist VOR der Party.

Nach der aktuellen Korrektur, die sich durchaus zu einem Crash ausweiten kann

(denn es herrscht nun- nachdem das griechische Volk die Parteien, die ihnen das Spardiktat verabreicht haben-  „in Dankbarkeit“ schlichtweg abgewählt haben, nun wieder akuter Pleitealarm in Griechenland und der Euro steht wieder einmal vor seinem „sicheren“ Aus)

wird es die nächste Feier geben auf die ich mich (wie sicherlich viele Tagebuchleser und -leserinnen) heute schon freue.

Für Diejenigen, die (noch) nicht verkauft haben, (bzw. für die „Restpositionen“) gilt Kostolanys Börsenweisheit:

„Wer die Aktien nicht hat, wenn sie fallen, der hat sie auch nicht, wenn sie steigen!“

 

KEINE KOMMENTARE

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT