Ross Stores: Trendbruch?

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Wenn ich eine Lehre aus dem Crash der Jahre 2008/09 gezogen habe, dann die, dass zum Investieren nicht nur das Kaufen, sondern auch das Verkaufen gehört. Selbst Warren Buffett, der als DER Langfristanleger schlechthin gilt, verkauft immer wieder einige seiner Positionen, z.B. wenn deren Bewertung seiner Meinung nach aus dem Ruder gelaufen ist.

Doch selbst wenn man intakten Trends folgt, dann erkennt man, dass sich ein Wert irgendwann in einer Übertreibungsphase befindet und eine heftige Korrektur- früher oder später- einsetzen muss. Ja, ich schreibe bewusst „muss“, denn jede Aktie, deren Bewertung nicht mehr angemessen ist, wird früher oder später auf „ein erträgliches Maß zurechtgestutzt“.

Wann verkauft man also einen Wert, der sich in einer Übertreibungsphase befindet?

Nun, ein Patentrezept gibt es hierfür nicht. Ein Beispiel:

Die Aktie von Ross Stores (US-Kürzel ROST) ist in den letzten Jahren ganz hervorragend gelaufen. Ich hatte sie in das ITT gekauft und auch Optionen auf ROST aufgenommen. Irgendwann hat ROST ihren Aufwärtstrend nach oben verlassen und ist in einen noch steileren Aufwärtsrend übergegangen.

Die Übertreibungsphase hatte begonnen. Selbstverständlich kann sich ein derartiger Trend kurz- oder sogar mittelfristig fortsetzen. Werte, die sich in einer derartigen Übertreibungsphase befinden, muss man also nicht meiden, im Gegenteil, man kann sie kurzfristig sogar noch kaufen, da sie in dieser Trendphase meist sehr schnell und nochmals kräftig steigen, muss jedoch auf der Hut sein.

Verkauft hatte ich die Aktie aus dem ITT, nachdem sie diesen, ihren steilen Aufwärtsrend nach unten gebrochen hatte.

Ist der steile Aufwärtstrend erst einmal gebrochen, dann schließt sich meist eine sehr kräftige Korrekturphase an.

Diese kann man in diesem Chart sehr gut erkennen:

Offensichtlich ist ebenfalls, dass der Anstieg (selbst in der Übertreibungsphase, in der es ja bereits sehr schnell nach oben geht, viel schneller sogar als in der vorangegangenen Aufwärtstrendphase) wesentlich langsamer als der Kursverfall vonstatten geht. Rauf geht es langsam, runter rasant! IMMER! 

Eine Aktie kann innerhalb weniger Tage sämtliche Gewinne eines Jahres wieder abgeben.

Dabei ist die Aktie von Ross eine der besten Einzelshandelsaktien, die es auf dem Kurszettel überhaupt gibt. Folglich kommt sie auch als erneuter Kaufkandidat in Frage, sobald sich ein neuer Aufwärtstrend abzeichnet.

Fazit: Das Verkaufen gehört auch zu einer Trendfolgestrategie dazu. Trendfolge hat nichts mit Buy and Hold (Kaufen und einfach liegen lassen) zu tun. Wer immer wieder einige seiner Werte verkauft, der kann sich darauf freuen, nach jedem Crash wieder in die zu diesem Zeitpunkt besten Trendwerte einsteigen zu können.

Es gibt eben leider (oder zum Glück) immer wieder Börsenphasen, in denen ALLE Werte nach unten geprügelt werden. Die Gründe hierfür sind im Prinzip unwichtig, es wird nach und nach ALLE bestehenden Trends erwischen, die einen früher, die anderen später. Einige wenige Aktien werden die Korrektur aber auch „im Trend“ überleben.

Ja, diese Korrekturphasen bieten uns die besten Chancen, die wir vorfinden können, werden sich doch im Anschluss neue und vor allem sehr Gewinn bringende Trends herausbilden. Viele „alte Trends“ werden dann Geschichte sein. (Ich denke an die Aktien des letzten Trendphase von 2005-2008, die Solaraktien, „Windkraftaktien“ wie Vestas usw. Diese Trends sind nun vorbei und es macht keinen Sinn, diese Werte „billiger“ einzukaufen oder gar beständig nachzukaufen. Ich bin der festen Überzeugung, dass das Nachkaufen fallender Aktien der sichere Weg in den Ruin ist. Ich muss mich einfach damit abfinden können, dass ich öfter Unrecht als Recht nach meinen Entscheidungen haben werde. Ich MUSS WISSEN, DASS ICH NICHTS WEIß!! OK, ich weiß zumindest, dass das nicht gut ankommt, aber es ist einfach die Wahrheit. Wer weiß, dass er in Bezug auf die Börse nichts wissen kann, der ist oft bereits den entscheidenden Schritt voraus.)

Bleibt lediglich die Erfahrung und die besagt, dass einige „alte Trends“ nach dem Crash die neuen Trends sein werden. (Ich denke z.B. an die Aktie von Starbucks, die nach dem Fall über ihre „Klippe“ eine neue Trendphase etablieren konnte, nachdem der Gründer Howard Schultz wieder die Führung des Konzerns übernommen hatte. Doch selbst das ist keine Erfolgsgarantie, ich denke an Michael Dell.)

In jedem Fall ist es kein Beinbruch, wenn man sich z.B. von diesem Wert getrennt und ihn nicht wieder gekauft hat, denn von seinen Verkaufserlösen kann man auch wieder andere, neue Trendwerte kaufen. Man ist niemals an eine bestimmte Aktie gebunden. (André Kostolany brachte es auf den Punkt: „Verlieben Sie sich nie in eine Aktie!“ Recht hat er!)

Bis die neuen (alten?) Trends wieder sichtbar sein werden, wird wohl viel GEDULD erforderlich sein. Doch niemand kann wissen, wann es soweit sein wird, weshalb ich nie empfehlen würde, sich vollständig „von der Börse “ zurückzuziehen.

Auch würde ich nie ALLE meine Werte komplett verkaufen, da jede neue Aufwärtsbewegung unerwartet und sehr kräftig vonstatten geht. Wer dann den Kursen hinterherläuft, der kann es gleich sein lassen. Wer noch dazu alles verkauft UND im Anschluss noch dazu „short“ geht, wird bei falschem Timing unterm Strich wohl NIE Gewinne erzielen. Nie, also nie wieder oder überhaupt niemals!! (Eigentlich logisch, denn bei dieser Straetegie muss ich zu viele Entscheidungen treffen, die sich als falsch herausstellen können. Man versuche also, so viele Entscheidungen wie notwendig, aber so wenige wie nur möglich zu treffen. IMMER!)

Und noch eine Erfahrung: In einer „übergeordneten Rallye der Märkte“ kann man viele Trendwerte sogar einige Jahre oder ein ganzes Jahrzehnt behalten. Die letzte „übergeordnete Trendphase“ begann nach dem Crash im Jahr 1987 und dauerte bis März 2000. Seitdem befinden wir uns in einem „übergeordneten Bärenmarkt“. Wann dieser enden wird, weiß kein Mensch.

Die Historie besagt: 20 Jahre muss der Markt konsolidieren, dann beginnt die nächste ganz große Rallye (2020 oder 2023 wären also als möglicher Start ableitbar!??)

Doch selbst „Bärenmarktrallies“ wie die von 2005-2007 oder 2009 bis 2012?? können ertragreich sein.

Unsere „Arbeit“ besteht im Beobachten und Ausloten der möglichen neuen (alten) Chancen.

Auf diese freue ich mich bereits heute- Fiscal Cliff hin oder her (oder besser hinunter und dann wieder herauf)!!

 

 

 

 

 

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