Gerry Weber: Value Strategie aufgegangen

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Am 14. April hatte ich in meinem Tagebuch auf diese Chance hingewiesen:

Trotz Allzeithoch immer noch nicht zu teuer

Erst jetzt ist die Aktie angesprungen, der Geduldige* hat erneut einen Gewinn in seinem Depot stehen. Tatsächlich dauert es bei „unterbewerteten Aktien“ mitunter lange, bis der Markt das erkennt bzw. erkennen möchte. *Mit „geduldig“ meine ich jedoch nicht, dass man jede Aktie bis in alle Ewigkeit hält, nur weil man sie nicht mit einem Verlust verkaufen möchte. Bei „Value-Investments“ ist das etwas Anderes.

Am 14.4. schrieb ich:

„Einige Leser fragen an, ob man denn jetzt überhaupt noch Aktien kaufen kann, wenn alles schon viel zu schnell und in einigen Fällen auch übertrieben gestiegen ist.

Nun, ich gebe da generell keine persönlichen Empfehlungen, denke aber, dass man selbst fündig werden kann, wenn man ein wenig recherchiert. Dabei kommt es immer darauf an, ob man lediglich an schnellen Gewinnen interessiert ist oder auch einmal ein wenig Zeit mitbringen möchte oder kann (denn das so gebundene Kapital steht ja für keine anderen Spekulationen zur Verfügung, was in einer Rallye wie der aktuellen durchaus nachteilig sein kann. Nicht zuletzt aus diesem Grund hatte ich am Freitag die Frage in den Raum gestellt, ob man die Fundamentaldaten vorübergehend vernachlässigen sollte, bringt doch aktive Zockerei im Moment mehr ein als kluges Investieren).

Nun, ich bin u.a. auf diese Aktie gestoßen, die trotzdem, dass sie vor einigen Wochen erst ein Allzeithoch erklommen hat, noch Potenzial haben sollte, betrachtet man die Fundamentaldaten.

Völlig entgegengesetzt verlaufen aktuell die Kurse von Hugo Boss (oben) und Gerry Weber (unten), obwohl Gery Weber seine Hausaufgaben sogar besser als Boss erledigt hat und zuletzt bereits wieder ein Rekordergebnis präsentieren konnte.

Siehe hierzu:
http://www.fashionunited.de/News/Leads/Gerry_Weber_verbucht_Rekordgewinn_201002257629/

Oder:
http://www.handelsblatt.com/modekonzern-gerry-weber-schafft-rekordumsatz;2551823

Genau diese Divergenzen sind es, nach denen man meiner Meinung nach suchen sollte. Der Erfolg wird mit ziemlicher Sicherheit etwas auf sich warten lassen, aber er wird kommen- irgendwann (was den meisten Börsianern aber nicht ausreicht). „ (Ende Eintrag vom 14.4.10)

Nun, das ist der Value-ERFOLG:

Neue Value-Chance H&R Wasag?

Ein mit Gerry Weber vergleichbares Ergebnis erwarte ich bei einigen anderen Value-Investments wie z.B. bei H&R Wasag.

Die Aktie ist heute unter Druck? Warum?

Am Freitag schrieb ein Analyst in seinem „Urteil“:

„Die italienische Großbank Unicredit hat H&R Wasag von ‚Sell‘ auf ‚Hold‘ hochgestuft, das Kursziel aber auf 19 Euro belassen. Der Kursrutsch habe die Aktie des Spezialchemieunternehmens unter sein Kursziel gedrückt, schrieb Analyst Markus Mayer in einer Studie vom Freitag. Er rechnet mit anhaltenden Prognosesenkungen des Marktes, die weiter belasten dürften. Zudem seien der geringe Streubesitz und das niedrige Handelsvolumen Risiken, vor allem bei hoher Volatilität des Gesamtmarktes bedingt durch äußere Einflüsse. Kurzfristig gebe es daher kaum Kurspotenzial.“

Wie interpretiere ich die „Analyse“? Nun, für die Casino-Spieler der Bank ist die Aktie uninteressant, da der Streubesitz zu niedrig ist und das Handelsvolumen ebenso. Für schnelle Casinospiele ist die Aktie schlichtweg nicht geeignet, da sie kurzfristig kaum Kurspotenzial besitzt- und nur das ist für die Bank interessant, der schnelle Gewinn, der schnelle Zock steht nach wie vor über allem. Das ist die Aussage der Analyse und der neue Trend: Zocken statt Investieren. Die Finanzmärkte sind die Spielwiese der Banken und einiger Profi-Trader, alle Anderen bleiben außen vor und meiden Aktien wie der Teufel das Weihwasser (was angesichts dessen, was wir in den letzten Jahren an den Märkten erlebt haben, durchaus verständlich ist).

Der einzige große Nachteil dieser Value-Anlage-Strategie  ist der, dass es aus den Analyseabteilungen immer wieder negative Werungen geben dürfte. Dieser Nachteil könnte jedoch zum Vorteil werden, denn wenn sich keine Spieler mehr in der Aktie befinden, sondern ernsthafte Investoren, dann bestehen die Risiken, von der die Bank schreibt, also das Risiko eines Kursrutsches bei einer „hohen Volatilität das Gesamtmarktes“ kaum noch. Wenn niemand schnell verkaufen muss, kann das nur positiv für den Kurs sein. Doch eine Gefahr sehe ich noch:

Die Letzten dürften noch aussteigen, wenn man dann irgendwo unter den Linienzeichnern eine S-K-S-Formation im Chart erkennen wird und die Charties Short-Spekulationen empfehlen werden?? Das dürfte für langfristige Value-Fans die nächste (Nach)Kaufchance sein.

Nochmals zu den fundamentalen FAKTEN:

– Wasag stellt Schmierstoffe, Feinöle, Wachse, Reinigungsmittel und Weichmacher her. Kunden sind Chemie- und Pharmaunternehmen, Kosmetikhersteller und Reifenproduzenten

das Geschäft mit der Reifenindustrie verspricht dem Spezialchemiker H&R in diesem Jahr gute Geschäfte (zuletzt meldeten Daimler, VW und Audi sehr gute Zahlen, von Rekorden ist gar die Rede)

– eine neue Produktionsstätte wird ab 2012 für noch höheres Wachstum sorgen

– Seit 2010 sind in der Reifenproduktion nur noch gesundheitlich unbedenkliche Weichmacher erlaubt. Dank einer patentierten Rezeptur ist Wasag hier weltweit eine der führenden Adressen. Die Hamburger liefern u.a. an Continental, Goodyear und Michelin.

Davon kann man in der o.g.  „Analyse“ nichts lesen. Es zählt der kurzfristige Zock, nichts weiter. Is this the highway to hell? Song of the day

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