First Solar (FSLR) kaufen oder verkaufen?

0
969

Der Tatsache, dass ich mir mit „Verkaufsüberlegungen“ sehr wenige Freunde mache, bin ich mir durchaus bewusst, jedoch habe auch ich 2008 erkennen müssen, dass ein zu hoher Optimismus an der Börse vor allem zu hohen Verlusten führt. Nach dem Desaster der Jahre 2000-2004 bin auch ich von 2005-2008 noch davon ausgegangen, dass diese vierjährige Korrektur nach dem Platzen der Internetblase „übertrieben“ gewesen war und so etwas wie eine „Ausnahme“ darstellte, schließlich haben Dow Jones und Co. immer wieder neue Höchstkurse erklommen, da sollte man doch für die Zukunft optimistisch sein.

Nun investiert man nicht nur in den Dow Jones, sondern immer wieder in diverse Werte, die man nach einer ausführlichen Analyse als kaufenswert eingeschätzt hat. Der Dow Jones kann auf neue Höhen steigen, während mein Depot zeitgleich ein neues Tief erfahren könnte.

Sämtliche „Variablen“ können sich mit der Zeit verändern und es bleibt einem nichts Besseres übrig, als seine Analysen zu wiederholen, um in regelmäßigen Abständen zu überprüfen, ob es im Hinblick auf die Zukunft jedes einzelnen Depotwerts eine oder mehrere Veränderungen gibt, die womöglich zu dem Ergebnis führen, dass man seine Kaufentscheidung am Ende revidieren muss.

Es kann hierfür sehr hilfreich sein, wenn man seine Investments klassifiziert, also in kurz-, mittel- und langfristige Investments oder Trades einteilt und mehrere Depots führt.

Schließlich soll und darf meiner Meinung nach aus (m)einer Tradingposition kein Langfristinvestment werden. Falsch ist meiner Meinung nach auch die Ansicht, wonach „es sich jetzt nicht mehr lohne“, den entspr. Wert zu verkaufen, da er bereits zu viel an Wert verloren habe. Ausnahmen bestätigen die Regel, wenn es heute oder morgen einen Crash geben würde, in dem alle meine „Langfrist-Werte“ wie Nestlé, McDonald’s usw. im Schnitt um mehr als 20% einbrechen, dann würde ich diese nicht alle sofort verkaufen, sondern abwarten und eventuell nach einer Bodenbildung sogar zukaufen.

Anders bei kurzfristigen Trading-Positionen, diese werden mehrheitlich glattgestellt. Ansonsten werde ich bei jedem Blick in mein Trading-Depot so etwas wie großen Frust verspüren und mich im schlimmsten Fall gar nicht mehr einloggen, weil ich „das Elend“ nicht sehen möchte. Auf diese Weise werde ich den nächsten „Gewinn-Trade“ garantiert verpassen, da ich ja darauf warte, dass sich meine Verlustpositionen noch ein wenig erholen „müssten“.

Lange Rede, kurzer Sinn.

Mitte März hatte ich die Aktie von First Solar in das Internationale Trend Trading Depot aufgenommen und damit auf eine mögliche Energiewende gesetzt oder darauf, dass die Regierungen weltweit aus dem Super-Gau in Fukushima „etwas lernen könnten“ und eventuell aus der Kernenergie aussteigen und alternative Energien wieder salonfähig werden könnten. Auch an dieser Stelle hatte ich auf des Ende der Bärenmarktrallye bei den alternativen Energie-Aktien hingewiesen, siehe http://www.aktientagebuchblog.de/ein-gewinner-der-energiewende.html) (Privat hatte ich die Aktie von Vestas gekauft und bei 30,60€ zu 50% verkauft, der Rest wurde ausgestoppt. Es bleibt ein gerade noch akzeptabler kleiner Gewinn.)

Warum brechen heute Solaraktien teilweise massiv ein und welche Strategie in Bezug auf Solarwerte könnte nun sinnvoll sein?

Nachdem der Kurs von First Solar wieder nach unten abdrehte, habe ich die Aktie aus dem ITT wieder verkauft, Verluste von gut 11% wurden realisiert (und können mit den Trading-Gewinnen steuerlich verrechnet werden, keine Frage). Von der Tatsache, dass First Solar unter den letzten Anhängern der Solaraktien die höchste Akzeptanz genießt, ließ ich mich nicht von meiner Verkaufsentscheidung abbringen. Beteuerungen, wonach „First Solar langfristig eine der besten Solaraktien ist“ usw., zählen für mich überhaupt nichts mehr. Eine gute Aktie ist für mich eine, die steigt, wenn sie fällt, ist sie erst einmal schlecht. Meine Aktien suche ich mir nicht auf der Liste der größten Verlierer (Ausnahme: Ein ausgeprägter Crash wie 2008-2009, in dem ich Werte wie Nestlé, BASF, Fuchs, Boss und den meisten Aktien der Beobachtungsliste ausnahmsweise billig bekomme), sondern auf  der Gewinnerliste (wobei irgendwann aus einem Verlierer ein Gewinner werden kann und umgekehrt).

Waren die Verkäufe von Vestas und First Solar gute oder gar „richtige“ Entscheidungen?

Nun, beide Aktien brechen heute nochmals massiv ein:

First Solar

Vestas: Der Trend wurde gebrochen und nicht wieder aufgenommen. Trendfolge funktioniert, sagt mir doch der Trend, wann ich einen Wert verkaufen muss.

Warum fallen die „Alternativen“ heute so massiv?

First Solar meldete gestern seine Quartalszahlen, die sogar besser als erwartet, jedoch im Vergleich zum Vorjahreszeitraum schwächer ausfielen: Der Gewinn je Aktie lag bei 1,33 USD, im vierten Quartal 2010 waren es noch 1,80 und 2,00 USD im ersten Quartal 2010.

Es geht also abwärts mit den Gewinnen und das angesichts der Tatsache, dass es in den USA milliardenschwere Förderprogramme für alternative Energien gibt und First Solar auch in Deutschland sehr gut positioniert ist. Nun könnte man darauf spekulieren, dass jene staatlichen Programme nach Fukushima erst wieder anlaufen dürften. Auf der anderen Seite wissen wir, wie es um die Verschuldung der westlichen Staaten bestellt ist. Können sich diese überschuldeten Staaten überhaupt neue Förderprogramme leisten? Ich denke, dass es nicht können.

Das deckt sich auch mit den gestrigen Äußerungen des Vorstands von First Solar, der Kürzungen in den Förderprogrammen sowie hohe Lagerbestände sowie höhere Kosten für Kredite thematisierte. Nicht das Ergebnis von First Solar (Analysten hatten sogar nur 1,16 USD je Aktie erwartet, First Solar hat 1,20 gemeldet), sondern diese Äußerungen ließen die Aktie von First Solar nachbörslich um nochmals gut 8% einbrechen.

Die Konsequenz

kann also zum jetzigen Zeitpunkt nur lauten, dass die Rallye der Solaraktien im März und April nichts weiter als eine Rallye im Bärenmarkt gewesen ist. Die Wahrscheinlichkeit, dass sich dieser Bärenmarkt fortsetzt, ist höher, als dass wir einen neuen Bullenmarkt in den Solaraktien erleben werden. Da die Windenergie wesentlich effizienter als die Solarenergie ist, würde ich nach einer Bodenbildung eher nochmals auf einen kurzfristigen Rebound der Vestas-Aktie setzen wollen als die Aktien von Solarworld und Co zu traden.

Von Solarwerten würde ich mich weiterhin fern halten, es sei denn, man hat Freude daran, von fallenden Kursen zu profitieren. Hierbei besteht jedoch die große „Gefahr“ durch Übernahmen, die die Kurse der entpr. Übernahmekandidaten wie zuletzt den von Roth&Rau nach oben katapultieren werden. „Sichere“ Shorts sind demzufolge auch die Solarwerte NICHT!

Auch hier: Keine Regel ohne Ausnahme:

Es gibt den einen oder anderen „alternativen Wert“, der tatsächlich in Zukunft von einer möglichen Abkehr von den fossilen Energieträgern oder der Kernenergie profitieren wird. Einen dieser möglichen Gewinner habe ich auf die Beobachtungsliste des ITT gesetzt, andere werden folgen.

 

KEINE KOMMENTARE

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT