Euro Krise und kein Ende?

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EHEC raus und Euro-Krise rein! So schnell geht das in den Medien und die eine mögliche Katastrophe wird durch eine neue ersetzt und ausgiebig ausgeschlachtet.

Dabei hätte man es sich diesmal sehr einfach machen können, indem man schlicht die Beiträge von vor einem Jahr wiederholt hätte- so wie im Jahr 1986 die ARD die Neujahrsansprache des damaligen Bundeskanzlers Helmut Kohl (dem wir den Euro zu verdanken haben) aus dem Jahr 1985 aus Versehnen erneut sendete. Sinnvolle Lösungsmöglichkeiten für die Euro-Krise konnten sämtliche Diskussionen mit Experten in den zahllosen Talkshows allerdings weder vor einem Jahr noch diesmal aufweisen. Alles scheint sich im Kreis zu drehen und es fehlt den Verantwortlichen wohl vor allem der Wille, unbequeme Lösungen umzusetzen– nicht zuletzt im Hinblick auf die nächste Parlamentswahl.

Die Bilder aus Athen, die in der vergangenen Woche um die Welt gingen, ähnelten denen aus dem letzten Jahr: Es wurden Steine geworfen, Polizisten angegriffen und von der Regierung über den IWF bis hin zu Deutschland alle diejenigen auf großflächigen Plakaten beschuldigt, die an der Krise schuld seien. Zum großen Glück gab es diesmal- anders als im Vorjahr- keine Toten.

Anders (und sehr auffällig) ist diesmal allerdings, dass es keine „Statements“ von prominenten Führungspersönlichkeiten mehr gibt, die einen tieferen Einblick als mancher Politiker in das Finanzsystem haben:

Vor einem Jahr meldete sich noch der Chef der Deutschen Bank, Josef Ackermann, zu Wort und sagte, dass die Griechen ihre Schulden nie zurückzahlen würdenund wir alle spätestens in einem Jahr vor den gleichen Problemen stehen würden. Für seine Meinung wurde er äußerst heftig kritisiert. Doch er sollte Recht behalten.

Aber auch der ehemalige Chef der Deutschen Bundesbank, Axel Weber, der als Nachfolger von EZB-Chef Trichet gehandelt wurde, möchte dieses Amt nicht antreten. Seine Prinzipien von einer stabilen Währung sind mit einer „Weichwährungspolitik“ nicht vereinbar. Es sieht fast so aus, als habe die kritische Finanzelite nun endgültig vor der Politik kapituliert??

Derartige Aussagen passen nicht ins Bild der Euro-Retter. Leute, die es mit der Wahrheit genauer nehmen, sind anscheinend in der Euro-Frage nicht mehr gefragt, habe ich den Eindruck.

Es wird beschwichtigt, polemisiert, gefordert, erpresst, nachgegeben und verschwiegen. Europa braucht den Euro und ohne den Euro wäre Europa nicht mehr Europa usw.

Ja, war Europa vor der Einführung des Euros denn nicht Europa?

Und was ist mit den europäischen Staaten wie Schweden, Dänemark, der Schweiz oder Norwegen? Sind diese Europäer etwa schlechte(re) Europäer?

Die Wahrheit ist doch, dass sich in Schweden die Politiker nicht darüber streiten, wie sie ihre Landeswährung, die Schwedische Krone, „retten“ könnten, sondern wie sie die Überschüsse im schwedischen Staatshaushalt sinnvoll verteilen können. Trotzdem, dass man den Euro nicht eingeführt hat, geht es dem Land also sehr gut.

Die Wahrheit ist doch, dass es in den Verträgen zur Einführung des Euros heißt, dass die Schulden eines Landes nicht die eines anderen werden dürfen. Ein Geldtransfer von einem Land zu einem anderen- so wie in der Bundesrepublik Deutschland im Länderfinanzausgleich geregelt (und trotzdem immer wieder heftig umstritten) ist in den „Euro-Gesetzen“ so nicht vorgesehen. Diese Bestimmungen sind nun gebrochen worden. Damit ist der Euro in seiner ursprünglichen Form gescheitert, denn er steht nicht mehr auf seinem rechtlichen Fundament.

Trotzdem werden erneut „Rettungsprogramme“ für GR und damit für den Euro verabschiedet. Wie sehen diese nach dem aktuellen Stand der Dinge aus?

Am Freitag haben sich Frankreich und Deutschland auf einen Kompromiss geeinigt, wie man die Hellenen vor ihrer Staatspleite retten könnte: Die Gläubiger (also z.B. die Banken, Hedgefonds, Versicherungen usw., die griechische Staatsanleihen besitzen) sollten diese freiwillig „länger“ halten (Wie lange eigentlich?).

Meine Meinung: Das wird nicht funktionieren, denn viele Banken haben sich bereits von einem Teil dieser Risikopapiere getrennt und werden es weiterhin „unauffällig“ tun. Dass sie sich freiwillig an der Rettung der Akropolis beteiligen, glaubt doch wohl niemand ernsthaft! Weiterhin- und noch viel schlimmer- würden die Rating-Agenturen dann ihr Rating senken auf „Ausfallniveau“, also D.

Seit der Einführung des Euros haben diese „privaten Gläubiger“ wunderbare Gewinne mit ihren Ouzo-Risiko-Positionen erzielt und nun werden- wie immer- die Risiken von den Steuerzahlern übernommen. Die Gewinne werden privatisiert und die Verluste sozialisiert. (Ein Glück, dass die deutschen Steuerzahler das noch nicht durchschauen (wollen) und weiterhin lieber gegen einen Bahnhofsumbau als gegen den Euro protestieren.)

Frau Merkel sieht diese „Freiwilligkeit“ sogar als eine „ganz wichtige Botschaft an die Banken“. Vor einem Jahr wollte sie die Banken noch zur Kasse für die von ihnen mit zu verantwortende Finanzkrise bitten und nun diese geradezu einschmeichelnde „Botschaft“?? Zu beachten ist bei diesem Kompromiss noch dazu, dass sie hier „wieder einmal“ nachgegeben hat, denn bis zu diesem Treffen hat der deutsche Finanzminister noch ausdrücklich darauf bestanden, dass sich private Gläubiger unbedingt beteiligen sollten.

Frankreich war gegen diesen Vorschlag, da die französischen Banken den größten Teil der Ouzo-Bonds besitzen, also seit der Einführung des Euros die höchsten Gewinne abgeschöpft haben.

Wie dem auch sei, GR soll nun auf alle Fälle die fünfte Tranche des 2010 beschlossenen Hilfspaktes über 110 Milliarden Euro ausgezahlt bekommen. Eine Staatspleite des Landes (spätestens im Juli) ist damit (erst einmal) vom Tisch. Der DAX sprang daraufhin am Freitag in die Höhe (was jedoch vor allem auch an den Hexen lag, die den Index unbedingt auf 7100 Punkte befördern wollen, dem Niveau, das die „Stillhalter“ sehen wollten).

Ein neues Hilfsprogramm für GR soll „demnächst“ beschlossen werden, die 110 Milliarden werden aber nicht ausreichen, das sei „sicher“.

Um Geld zu erhalten, muss das Parlament in Athen jedoch weitere Sparprogramme verabschieden und Staatsbesitz privatisieren, so die Forderungen der Geldgeber. Doch ob das angesichts der täglichen Massenproteste und Generalstreiks möglich sein wird, ist sehr fraglich.

(Eigentlich kann man als Geldgeber nun keinerlei Forderungen mehr stellen, da man ja jederzeit mit dem „Fall Lehman“ und dem, was dieser großen Pleite folgte drohen. Man muss also nicht zuletzt deshalb bedingungslos zahlen, so der allgemeine Tenor der Euro-Retter- und das bis in alle Ewigkeit, denn nach wie vor besitzt GR keine nennenswerte Volkswirtschaft und- viel schlimmer noch- kann mit der Währung Euro auch keine mehr auf- oder ausbauen. Die Schulden des Landes werden aktuell auf 350 Milliarden Euro geschätzt, was der Leistung der griechischen Volkswirtschaft von anderthalb Jahren entspricht. Doch wenn man spart, dann würde diese ohnehin geringe Leistung sogar nochmals zurückgehen. Doch das wäre wieder einmal die Wahrheit und wer sie ausspricht, ein notorischer Pessimist!??)

Fazit: Mit den aktuellen „Lösungen“ wird lediglich Zeit gewonnen und „unangenehme Entscheidungen“ wie seit vielen Jahren in die Zukunft verschoben. Ob das Experiment gelingen wird, bleibt es abzuwarten.

Die Bürger Europas sind in diesem Spiel der Wirtschaftsbosse und Politiker wohl nicht mehr als Versuchskaninchen??

Dass GR wieder eine eigene Landeswährung einführt, um durch dessen Abwertung wieder Investoren anzulocken, die wegen der niedrigeren Löhne und Gehälter Produktionsanlagen in das Land verlagern bzw. dass eigene Produkte billiger exportiert werden können oder Touristen in Scharen dort Urlaub machen, da es dann billiger als

anderswo wäre, ist eine Alternative, die zwar diskutiert wird, jedoch nicht kommen dürfte. Die Drohungen mit dem „Fall Lehman“ und was passieren würde, wenn… ersticken jegliche Versuche in diese Richtung.

Angeblich wäre die Wiedereinführung der Drachme nicht möglich- so die Experten- da in dem Fall das Vertrauen in den Euro zerstört wäre und auch andere Staaten wie z.B. Portugal oder gar Spanien in den Sog der Euro-Krise geraten könnten- Es bestünde angeblich akute Ansteckungsgefahr! Das Weltfinanzsystem (welches eigentlich?) wäre erneut in akuter Gefahr.

US-Finanzexperten vergleichen bereist jetzt den Fall Athen mit der Pleite von Lehman Brothers und gehen davon aus, dass das Weltfinanzsystem vor ähnlichen Problemen wie nach der Lehman-Pleite stünde.

Nun, ich denke, dass GR erst einmal mit dem Fall Bear Stearns zu vergleichen ist. Die US-Großbank ging ja bekanntlich bereits im März 2008 pleite und Lehman im September.

Wenn das „Weltfinanzsystem“ jedoch nicht einmal den Austritt der Griechen aus dem Euro überstehen würde, dann muss man sich doch fragen, ob das noch ein in irgendeiner Weise erhaltenswertes System ist?? Es scheint fast so, als ob das gigantische Kartenhaus zusammenstürzen würde, sollte an irgendeiner Stelle auch nur ein winziges Steinchen fehlen (die Volkswirtschaft der Griechen ist mit der des deutschen Bundeslandes Hessen vergleichbar, wobei Hessen bereits zum Überholvorgang angesetzt hat.)

Eine mit „Lehman vergleichbare Situation“ würde wohl erst dann entstehen, wenn es Spanien treffen würde.

Leider sieht es in Spanien aktuell ebenfalls sehr schlecht aus:

So ist die Arbeitslosenquote spanischer Jugendlicher auf sagenhafte 43% angestiegen! Die Gesamtarbeitslosenquote in Spanien beträgt aktuell 20%

Spanien leidet ganz besonders unter dem Platzen seiner Immobilienblase nach 2007. Die Wirtschaft hat diesen Schock bisher noch nicht verdaut, es geht sogar weiter abwärts, da die hohe Arbeitslosigkeit den Konsum einbrechen lässt und das Land bereits seit der Euro-Einführung weniger Waren exportiert. Der Wegfall der eigenen Währung, die man bis zur Einführung des Euros noch abwerten konnte, um seine Exporte anzukurbeln, hat dazu geführt, dass sich spanische Produkte auf dem Weltmarkt verteuerten und plötzlich weniger nachgefragt wurden.

Als „Ausgleich“, als Konjunkturprogramm wurden nach der Euro-Einführung neue Häuser, Wohnlagen, Siedlungen usw. gebaut, die sich jetzt keiner mehr leisten kann.

Da die Kredite in Spanien nach der Einführung des Euros billiger wurden (es galt plötzlich das billigere Kreditniveau von Staaten wie Deutschland oder Frankreich) wurde dieses natürlich genutzt, um den Bau neuer Immobilien zu finanzieren. Dieser Bauboom endete leider völlig abrupt, denn auch die spanische Immobilienblase sollte nach der US-amerikanischen platzen.

Fazit auch hier: Die Einführung des Euros hat das Land in eine tiefe Krise gestürzt. Die Überwindung der Krise wird nun lange Zeit dauern und trifft besonders die „einfache Bevölkerung“ sehr hart.

Und auch die spanischen Finanzinstitute leiden weiterhin unter der Last der faulen Kredite und werden sich mit der Vergabe neuer Kredite sehr zurückhalten. Das wiederum spricht dafür, dass auch Spanien eines nicht allzu fernen Tages ebenfalls unter den EU-Rettungsschirm flüchten muss.

Dieser Fall könnte dann tatsächlich- und ich möchte betonen könnte, einen neuen Fall „Lehman“ darstellen. „Könnte“ deshalb, weil es (sehr zweifelhafte) Lehren aus diesem Unfall gibt.

Der EU-Rettungsschirm“ würde im Falle, dass Spanien in Bedrängnis geraten würde, dann mit einer ziemlichen Sicherheit weiter aufgestockt werden, auf 1,5 BILLIONEN Euro oder fünf, wer weiß das heute schon so genau. Wenn die USA bereits mehr als 14 Billionen USD an Staatsschulden aufgehäuft haben, warum sollte dann Europa nicht 1,5 oder fünf Billionen drucken?

Woher das Geld kommen soll, steht auf einem anderen Papier. Und man muss sich fragen, ob in dem Fall dann tatsächlich Frankreich oder Deutschland nicht auch in akute Bedrängnis kommen würden?? Dann würde aus dem Vorschlag: „Rente mit 69“ wohl „Rente mit 90“ werden odgl.

Trotzdem wären diese gigantischen Verwerfungen auch noch nicht der Untergang der Welt. Staaten wie Schweden oder Brasilien haben ihre mit der aktuellen Verschuldungskrise Europas oder der USA vergleichbaren Krisen bereits hinter sich- und wie man sieht, es geht ihnen heute sehr gut (vor allem Schweden).

Allerdings gibt es auch hier trotz aller Parallelitäten nicht nur zwischen den USA und Europa ganz wichtige Unterschiede; anders als Europa werden alle US-Bundesstaaten von einer einheitlichen Regierung in Washington, DC regiert. Und auch Brasilien oder Schweden haben diese Probleme gemeistert, da sie letztlich nur für ihr eigenes Land entscheiden mussten. Besonders Europa dürfte es also sehr schwer haben, angesichts der politisch gewollten und wirtschaftlich nicht durchdachten Einführung einer Einheitswährung für wirtschaftlich völlig unterschiedlich entwickelte Staaten.

(Doch ich wünsche mir trotzdem KEINE europäische Regierung, denn für den Fall, dass Büroraten von Brüssel aus das Schicksal aller EURO-Länder lenken, würde ich eine „zweite Sowjetunion“ befürchten.)

Da wir gegen das gesamte „Euro-Chaos“ bislang leider sehr wenig ausrichten können, bleibt es dabei, auch weiterhin z.B. NICHT in Lebensversicherungen zu investieren, die dann wiederum in die gefährdeten Staatsanleihen investieren, sondern gemäß unserer Strategien z.B. in gute Dividendenaktien oder gemäß der Strategien der beiden Premium-Depots bzw. in ausgesuchte Unternehmensanleihen.

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