Ein Kontraindikator? Die Zahl der Aktionäre in Deutschland ist massiv gestiegen

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1993

Sehr gut kann ich mich noch an das „große Aktien-Verkaufssignal“ im Februar 2000 erinnern:

„Damals“ laß ich auf der Titelseite der „BILD“-Zeitung die Schlagzeile, die sinngemäß lautete, dass nun auch Hausfrauen ihren Lebenunterhalt mit Börsengeschäften verdienen würden. Im März sollte die Internetblase dann ihren Höhepunkt erreichen und danach sollte es bis in das Jahr 2003 massiv nach unten gehen mit den welteiten Aktienkursen. Viele der damaligen „Werte“ existieren heute nicht mehr, ich denke z.B. an Worldcom, eine Aktie, die Ende der 1990er Jahre von allen „Experten“ empfohlen worden war, sogar von den „schlauen Aktien-Schwaben in Stuttgart“. Nun, das Unternehmen sollte pleite gehen und die Aktie vom Kurszettel verschwinden: mein erster Totalverlust an der Börse!

Von den „Kursraketen“ des  „Neuen Markts“ möchte ich gar nicht erst anfangen…

In der Folge sollten sich nach dem Jahr 2000 hierzulande Millionen Aktionäre von den Aktienmärkten verabschieden.

Zuversicht kehrte dann erst wieder im Jahr 2007 ein, als die Märkte bereits über einen Zeitraum von vier Jahren gestiegen waren.

Und nun auch noch das:

Gestern stieß ich auf diese Nachricht:

Zitat: „FRANKFURT (awp international) – Das Interesse der eher börsenscheuen Deutschen an Aktien und Fonds ist in der Euro-Schuldenkrise deutlich gestiegen. Im ersten Halbjahr 2012 hatten nach Angaben des Deutschen Aktieninstitut (DAI) durchschnittlich 10,2 Millionen Anleger hierzulande direkt und/oder indirekt Geld in Aktien gesteckt. Das waren 1,9 Millionen mehr als im Vorjahreszeitraum und 1,5 Millionen mehr als Ende 2011, wie das DAI am Dienstag in Frankfurt am Main mitteilte. Die Aktionärsquote erreichte mit 15,7 Prozent fast wieder das Niveau von 2007…“ (Quelle und weitere Infos: http://www.cash.ch/news/alle/zahl_der_aktionaere_in_deutschland_in_der_schuldenkrise_deutlich_gestiegen-1201858-448)

Nun, das beunruhigt mich doch zutiefst, denn die Deutschen gelten als „weltweite Aktienmuffel Nr. 1“. Und nun strömen sie nach bereits vier Jahren steigender Aktienkurse wieder zurück in Aktien! Wie schlau ist das denn?

Das Motiv für diese Bewegung lautet schlicht und einfach „Angst“ vor der „Euro-Krise“. Ist Angst ein guter Ratgeber bzw. ein Grund, jetzt in Aktien zu investieren?

Können Aktien denn vor irgendetwas schützen? Vor der Inflation (die es noch gar nicht gibt), vor „dem Ende des Euros“?

Nun, bislang sind die Aktienkurse im Angesicht einer bevorstehenden Krise immer kräftig eingebrochen- Schutzwirkung ungefähr gleich NULL. Sollte der Euro kollabieren, wäre es sehr unwahrscheinlich, dass dann „alle Aktien“ steigen würden.

Kann das diesmal gut gehen oder wird es demnächst ein erneutes Debakel wie zuletzt 2008 geben?

Nun, einige wenige Aktien könnten tatsächlich eine „gewisse Schutzwirkung“ entfalten, die Mehrzahl der Aktien würde „im Ernstfall“ jedoch kräftig fallen. Genau das MÜSSEN sich ALLE „Neuaktionäre“ von Beginn an auf ihre Fahnen schreiben.

Weiterhin ist es ähnlich wie mit einem „richtigen Beruf“: Ohne Beschäftigung mit den Grundlagen und einer längeren Phase des Erfahrungen-Sammelns wird das Abenteuer Börse womöglich (erneut/ auch diesmal) in einem Desaster enden.

„Das Spiel der Spiele“ (Zitat Livermore) ist IMMER dasselbe, nur eben mit unterschiedlichen Akteuren, um nicht zu schreiben, mit unterschiedlichen „Spielern“.

Fazit: Diesmal KANN alles anders sein, denn einigermaßen „normale Börsenzeiten“ haben wir seit dem Jahr 2000 nicht mehr erlebt. Wenn weiterhin „frische Milliarden“ aus Angst an die Börse strömen, könnten die Kurse weiter steigen, aber „sicher“ ist das keinesfalls. Auf alle Fälle ist die Wahrscheinlichkeit, dass es so kommt, nach vier Jahren Aktienhausse (die Hausse begann Anfang 2009 zuerst in US-Werten wie GMCR und Co, erfasste dann nach und nach den gesamten US-Markt und ab April 2009 auch die „besten“ deutschen und europäischen Werte) jedoch geringer als 2009- als die Zahl der Aktionäre von Tief zu tief abrutschte.

Nun, Berichte über spekulierende Hausfrauen finden wir ebenfalls noch nicht auf den Titelseiten von „BILD“

Und auch die anderen Indikatoren befinden sich noch im neutralen Bereich, siehe meinen Blogeintrag vom Mai 2006:

http://aktientagebuch.blog.de/2006/03/26/alles_verkaufen~676086/

Was ist eigentlich aus Oma Ingeborg (und ihren Börsengeschäften) geworden?

 

 

 

4 KOMMENTARE

  1. Du schreibst:
    „Können Aktien denn vor irgendetwas schützen? Vor der Inflation (die es noch gar nicht gibt), vor “dem Ende des Euros”?“

    1. Wenn der Euro so kollabiert, dass es zu einer Währungsreform kommt, kann es sein, dass man gar nichts mehr für seine Euros bekommt. Unter dieser Annahme macht ein Kauf von Aktien schon Sinn, weil man dann auch nach einer Währungsreform immer noch Miteigentümer von Produktionsmitteln ist.
    2. Warum haben wir keine Inflation? Das müsstest du auch noch mal erklären. Sehe ich anders.

  2. Zunächst danke für deinen Kommentar. Die Inflationsrate ist aktuell im historischen Vergleich sehr niedrig, siehe http://www.dia-vorsorge.de/69-0-Die+Inflationsraten+im+Verlauf+der+vergangenen+50+Jahre.htm

    Eine Währungsreform ist denkbar, darüber kann man spekulieren. Aber „gar nichts“ wird man wohl nicht bekommen. Und wenn es einen Schnitt von sagen wir mal 1:10 gäbe, würden auch die Aktienkurse wie bei der Unstellung D-Mark auf Euro „umgestellt“ und würden entspr. in die „neuen Währung“ „umgetauscht“ werden. Gefährlich wäre der Kurseinbruch von 90% aller Aktien im Falle dieser Katastrophe. „Schützen“ kann man sich also mit Aktien nur sehr bedingt. Sollte es „hart auf hart“ kommen, wäre wohl sogar eine Enteignung von Aktionären kein Tabuthema mehr oder eine neue Abgabe auf Aktienbesitz usw. Wir können also tatsächlich nur hoffen und beten, dass unseren europäischen Politikern eine „Art Erleuchtung“ von ganz oben geschenkt werden wird.

  3. Hallo,

    du schreibst: „Und wenn es einen Schnitt von sagen wir mal 1:10 gäbe, würden auch die Aktienkurse wie bei der Unstellung D-Mark auf Euro “umgestellt” „. Gerade das würde eben nicht passieren. Ich habe mir die Vorgehensweise zur Währungsreform von 1948 mal durchgelesen. Damals wurden Sparguthaben 10:1 bzw. 100:6,5 getauscht während die Preise 1:1 blieben.
    Recht hast du allerdings mit der Aussage, daß man nicht weiß, was man den „Gewinnern“ einer Währungsreform als Lastenausgleich auferlegen wird. Trotzdem zeigt die Geschichte, daß man mit Aktien besser gefahren ist als mit Geld auf einem Sparbuch (bzw. heute Festgeld und dergeleichen).
    Das sind meine Befürchtungen, die ich habe, wenn das Geld so auf meinem Festgeldkonto liegt während ich auf einen (kleineren) Crash auf dem Aktienmarkt warte. Diese Befürchtungenen könnten auch andere Anleger haben, die jetzt verstärkt in den Aktienmarkt einsteigen, obwohl ich eher glaube, daß es denen ganz einfach an Alternativen mangelt, weil es für „sichere“ Anleihen zu wenig Zinsen gibt. Da wird auch der eigentlich auf Sicherheit und auf Anleihen fixierte Deutsche zum Aktionär.
    Gerade die historisch niedrige Zinsen und das Fluten mit Geld sprechen jedoch eher für kräftig steigende Aktienkurse.

  4. Da stimme ich dir zu. Nur eben bei aller Angst besser beachten, dass „Aktie nicht gleich Aktie“ ist und man sich auf alle Fälle auf die besten der besten Papiere konzentrieren sollte. „Boring is the new sexy!“ Und genau diese Langweiler werden wohl auch weiter steigen und evtl. keinen „kleineren Crash“ zum Einsteigen erfahren??
    (Am Neuen Markt wurden Aktien nach 2000 auch 10:1 oder gar 10:0 umgetauscht: Für 10 DM in diesen Aktien gab es eine oder NULL DM).

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