Die Statistik hat versagt

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Der September liegt nun hinter uns. Am Monatsanfang hatte ich an dieser Stelle geschrieben:

„Glaubt man den Statistiken (was man niemals tun sollte!!), dann liegt die Wahrscheinlichkeit, dass der Monat September im DAX mit einem Minus endet bei 100%: Den September der Jahre 1960, 1970, 1980, 1990, 2000, also sämtlicher „Nullerjahre“, beschloss der DAX immer mit einem Minus.

Was läge da näher, als morgen im DAX short zu gehen, also sein gesamtes Vermögen einzusetzen, um z.B. mittels CFDs mit einem gigantischen Hebel den DAX zu shorten? Die Wahscheinlichkeit, am Monatsende Millionär zu sein, liegt bei 100%- glaubt man den Statistiken. Genau dann, wenn eine Wahrscheinlichkeit bei 100% liegt, dann passiert das Gegenteil?“ http://www.aktientagebuchblog.de/durchgestartet.html

Nun, das sollte sich als Volltreffer erweisen. Der September 2010 war für den Dow Jones der beste seit 1939, der Index stieg um 7,7%, der DAX konnte ebenfalls im Monatsverlauf steigen; +5,4% ist das Ergebnis. Wer den Aussagen der Statistik folgte, lag zu 100% falsch.

Trotzdem würde ich Statistiken nicht von vornherein als untauglich in Bezug auf die Börse betrachten.

Bemerkenswert, da sich diese Aussage mit meinen Erfahrungen deckt, ist meiner Meinung nach die folgende Statistik:

Gesamtrendite von US-Einzelaktien 1983–2006

Tatsächlich sind laut Statistik 74 Prozent aller Aktien seit 1983 hinter dem S&P 500 zurückgeblieben. Die einzige Methode, um den S&P 500 kontinuierlich zu übertreffen, besteht darin,  möglichst viele Aktien von den anderen 26 Prozent zu besitzen, die sich meist auf oder in der Nähe von All-Time-Highs befinden. (Quelle: Howard Lindzon, Gründer von Wallstrip.com und StockTwits)

Die Trendfolge ist demzufolge bisher die erfolgreichste Methode gewesen, um an den Märkten langfristig hohe Gewinne zu erzielen. Ob sich dieser Trend fortsetzen wird, ist jedoch so etwas wie eine Glaubensfrage. Ein wenig besorgt bin ich über die Tatsache, dass diejenigen, die die Trendfolge 2008 für mausetot erklärt hatten, nun plötzlich zu eifrigen Trendfolgern mutiert sind, also mit wehenden Fahnen in „unser Lager“ übergelaufen sind. (Sollten wir sie hereinlassen oder besser unsere Türen fest verschließen?)

Ein weiteres Märchen aus 1001er Börsennacht wäre mittels der oben erwähnten Statistik jedoch ad absurdum geführt, nämlich das, wonach „Aktien langfristig steigen“, man eine Aktie also nur lange genug halten müsse, um irgendwann „garantiert“ einen Gewinn zu erzielen. Mit genau 74% der Aktien wird es kein märchenübliches Happy End geben, wird dieses doch in den meisten Fällen lauten: „Und wenn sie nicht gestorben sind, dann halten sie noch immer.“

Diese nicht haltbare These stützt sich vor allem darauf, dass der Dow Jones oder S&P 500 alle Krisen überstanden und immer wieder ein neues Allzeithoch erklommen haben.

Bedenken sollte man dabei, dass der Dow Jones (und auch alle anderen „großen Indizes“) im engeren Sinne Trendfolger sind. Immer wieder sind Werte aus dem entspr. Index auf- und abgestiegen. Ansonsten wäre eine langfristige Aufwärtsbewegung gar nicht möglich gewesen. Eine Microsoft schaffte den Sprung in den Dow Jones doch nur, weil sie „vorher schon sehr gut gelaufen war“, also Millionen Trendfolge-Investoren diese mehr oder weniger spekulative Aktie gekauft hatten- und das in den meisten Fällen entgegen der Empfehlungen vieler Analysten (Die Aktie ist „schon zu gut gelaufen, die Aktie ist zu teuer“…).

Ohne Trendfolge würde den Indizes das gleiche Schicksal wie der Mehrzahl aller Aktien drohen, nämlich der Trendbruch und der abschließende Absturz.

Exemplarisch können diese Werte stehen:

Q-Cells

Nokia

Deutsche Telekom

Wie viele Analysten haben obigen Aktien immer wieder empfohlen? In wie vielen Musterdepots befindet sich eine Nokia, da sie nun endlich billig ist und nur noch steigen kann?

Der DAX: Sollte er seinen Trend brechen, läge das Kursziel im Bereich zwischen 1000-1500 Punkten.

Was spräche für dieses Szenario? Fast jeder Trend geht irgendwann einmal zu Ende und strebt seinem Ausgangspunkt entgegen. Dagegen spricht, dass die Werte des DAX ausgewechselt werden, sobald sie ihren Trend gebrochen haben, also den Kriterien einer Indexaufnahme nicht mehr entsprechen.

Die aktuelle Diskussion, wohin Dow Jones und DAX sich in den kommenden Jahren bewegen werden, ist im Grunde genommen eine Trenddiskussion. Sollte der Trend brechen, da das Euro-, Finanz-, Verschuldungs-System der letzten Jahrzehnte nicht gerettet werden kann, würde sich z.B. der DAX tatsächlich auf die 1000-Punkte-Marke zu bewegen, denn von da kommt er. (Siehe die Charts oben.)

Fundamental betrachtet, ist das dennoch unwahrscheinlich, denn die Bewertung der DAX-Werte ist so niedrig wie seit vielen Jahrzehnten nicht mehr. Von daher wäre eine Fortsetzung des Trends möglich. Aber erst ab 8800 Punkten könnte man davon sprechen, also einem deutlichen Übersteigen des letzten Allzeithochs. Bis dahin besteht weiterhin die große Gefahr, dass das Szenario Trendbruch eintreten könnte.

Sollte und das beunruhigen? Ja und nein, denn wir werden neue Trends entdecken. Das können Aktien aus den Emerging Markets sein oder die von innovativen Unternehmen wie zuletzt Netflix, Green Mountain, Netapp, Akamai, Priceline usw. Trends entstehen und vergehen.

Ich bin gespannt, was uns der Oktober bringen wird.

Im Premium Dienst und ITT werden demzufolge Werte, die ihren Trend gebrochen haben, regelmäßig ausgewechselt. Das wirklich Spannende an der Börse ist das Entdecken neuer Trends. Das müssen nicht zwangsläufig die Trends sein, die jeder erwartet (das Elektroauto z.B.), meist sind es Trends, an die kaum jemand glaubt (Apple z.B. ist so ein Trend. Wer hätte es je für möglich gehalten, dass Apple einige Unternehmen wie Dell, HP oder Nokia in Sachen Beliebtheit bei den Kunden überholen würde?)

1 KOMMENTAR

  1. immobilien sind zuzeit ziemlich gestiegen, es empfiehlt immobilien zu kaufen

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