Die Österreichische Vermögenszuwachssteuer

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Soweit derzeit bekannt ist, führen die österreichischen Banken ab 2011 nach deutschem Vorbild 25% des Gewinns automatisch als Steuer ab. Anders als in Deutschland, soll jedoch kein Gewinn-/Verlustausgleich auf Kontoebene erfolgen. Die Verluste muss der Anleger selbst im Folgejahr beim Finanzamt geltend machen. (Wodurch natürlich gleich einmal das Bankgeheimnis ausgehebelt wird.)

Verluste können nur im gleichen Jahr mit Gewinnen verrechnet werden. Nach aktuellem Stand soll es keinen Verlustvortrag geben, Kauf- und Verkaufspesen sollen ebenfalls nicht berücksichtigt werden. Diese s.g. „Vermögenszuwachssteuer“ trifft also hauptsächlich Aktien-Kleinanleger, alles andere wie zB. Immobilien wird ausgenommen.

Als Begründung wird angegeben, dass „die Spekulanten“ ja die Krise verursacht hätten, folglich sollen sie nun für die Folgen aufkommen. Nun, wer da nicht wütend wird, der ist selber schuld oder ein Außerirdischer, der nicht nachdenkt.

Die Krise haben nicht wir Kleinanleger mit unseren Börsenaktivitäten verursacht, sondern die amerikanische Fed mit ihrer „Gelddruckpolitik“, welche die Immobilienblase erst ermöglicht hat. Diese Blase platzte im Jahr 2007, weil sie platzen musste  und verursachte die schlimmste Finanz- und Wirtschaftskrise seit den 1930er Jahren.

Weiterhin sind die US-Banken „schuldig“, die den „Giftmüll“ in alle Welt verkauft haben, die US-Ratingagenturen, die jenen undurchsichtigen „Immobilienderivaten“ ihren Qualitätsstempel aufgedrückt haben und selbstverständlich maßgeblich die US-Politik, die z.B. von den US-Banken verlangt hat, dass diese jedem Amerikaner ein eigenes Haus finanzieren sollten, ohne auf die Risiken zu achten sowie ihrer Kontrollfunktion nicht nachgekommen ist! Das gilt auch für Deutschland, auch bei uns hat die Politik viel zu hohe Gewinnerwartungen z.B. an die Landesbanken gestellt. Diese mussten folglich viel zu hohe Risiken eingehen. Dass das nicht gut gehen konnte, war logisch.

Und nun sollen auch die Österreicher, die wie wir 2008 sicher auch wegen der Krise Geld an den Märkten verloren haben (von einem „Vermögenszuwachs“, der besteuert werden muss, kann gar keine Rede sein, wobei wir uns mittlerweile das, was wir verloren haben, wiedergeholt haben, leider minimiert durch die nun eingeführten Steuererhöhungen) zur Kasse gebeten werden.

Schlimmer geht’s nimmer, sollte man meinen (doch, aus 25% „Abgeltungssteuer“ können jederzeit 30 werden und zusätzliche Börsenumsatzsteuern oder Frau Merkels „Wunderwaffe Finanztransaktionssteuer“ usw. sind noch jederzeit durchsetzbar, wobei der Konsens durch alle Parteien geht. „Wir Kleinaktionäre“ haben also ALLE Parteien gegen uns.).

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Was die Politik nicht versteht:

Die neue Steuer führt jedoch in der Konsequenz genau zu dem, was man kritisiert oder vorgibt, verhindern zu wollen: Wenn ich für Aktien oder Derivate, die ich 2 Stunden halte und dann mit einem Gewinn verkaufe, genauso hohe Steuern zahle wie auf Gewinne auf Werte, die ich nach 20 Jahren Haltezeit verkaufe, dann bedeutet das:

Die Spekulation, das Herumgezocke an den Märkten, werden durch die Einführung der neuen Steuer nicht verhindert, sondern sogar noch gefördert. Warum sollte ich meine Werte, die alle paar Jahre um 50% abstürzen, lange Zeit halten?

Für „steuerehrliche“ Trader in Österreich ist die neue „Vermögenszuwachssteuer“ sogar ein Vorteil. Bisher gilt für die Besteuerung innerhalb der Spekulationsfrist der persönliche Einkommensteuersatz (bis 50%), nun werden kurzfristig orientierte Trader (und Zocker, Casinospieler usw.) belohnt, indem sie 25% weniger Steuern zahlen müssen.

Die Möglichkeit, sich durch systematisches und vor allem langfristiges Investieren in Aktien eine Altersvorsorge aufzubauen, wird hierdurch eher benachteiligt als gefördert. Ja, man muss den Verantwortlichen sogar unterstellen, dass das gar nicht in ihrem Interesse liegt, viel lieber verkauft man „Riesterrenten“, wobei die Versicherer am liebsten in Staatsanleihen investieren. Und damit schließt sich der Kreis: Die Aktienanlage wird unattraktiv dargestellt (wobei sie es mit einer durchdachten Strategie nicht ist!!), damit man die Staatsanleihen verkaufen kann, die ansonsten wohl niemand kaufen würde. (Trotzdem werden die Versicherer große Probleme bekommen, wenn sie nicht in Aktien investieren, denn die den Anlegern versprochenen Gewinne können Sie in Zukunft ohne Investitionen auch in Aktien gar nicht mehr erwirtschaften. Die „Riesterrente“ könnte sich folglich dann eines Tages als Flop herausstellen.)

Fazit: Der Aktienkultur in Österreich (wie auch in Deutschland), die ohnehin schon schwer beschädigt ist (durch Skandale wie Immofinanz, Meinl, AvW, etc.) sowie durch die mediale Hatz auf die „Spekulanten“, die angeblich die Finanzkrise verursacht haben, dürfte nun durch die neue Steuer noch den „Rest“ bekommen. Dass z.B. die österreichischen Fonds gleich doppelt besteuert werden sollen (einmal intern und dann noch auf Anlegerebene) schlägt dem Fass dann noch den Boden aus.

Wer da einst Karl Marx studieren musste, dem dürfte wohl einfallen: „Klein-Anleger aller Länder vereinigt euch!“

In meinem Premium Dienst habe ich das in der letzten Ausgabe ebenfalls thematisiert und einige Ideen aufgelistet, wie ein „Abgeltungssteuerdepot für Österreicher“ aufgebaut sein könnte. Anmeldungen zum Premium Dienst sind hier möglich.

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