Balda und die Lehren

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Auf die Chancen in der Aktie von Balda hatte ich an dieser Stelle bereits im Juli hingewiesen. Die Kursfantasie bestand im bevorstehenden IPO des chinesischen Touchscreen- Produzenten TPK, mit dem Balda ein Joint Venture geschlossen hat. Die Aktie wurde dann auch im August in das ITT aufgenommen. Heute bricht die Aktie ein- warum?

Heute meldet Balda enttäuschende Zahlen, von einem operativen Verlust (EBIT) für 2010 im einstelligen Millionenbereich ist die Rede.

Als Gründe werden u.a. von „den Chinesen“ verschobene Aufträge genannt, sowie ein hoher Margendruck. Letzteres gehört leider zum Kern-Geschäft von Balda wie das Amen in der Kirche. Mit Plastikteilen für Mobiltelefone lässt sich kaum Geld verdienen, außer man produziert in Asien für sehr niedrige Löhne.

Nachdem die letzten Quartalszahlen sehr schwach ausgefallen waren, haben wir im ITT jedoch den Anstieg des Aktienkurses in den letzten Wochen dann zum konsequenten Ausstieg genutzt.

Zu diesem Zeitpunkt herrschte allgemeine Balda-Aktien-Euphorie. Daran habe ich mich an dieser Stelle in den letzten zwei Wochen absichtlich NICHT mehr beteiligt.

Doch auch Balda setzt auf neue Geschäftsfelder wie die Balda Medical GmbH. Zuletzt wurde ein neuartiger Arzneimittelspender auf den Markt gebracht. Das Unternehmen ist für die komplette Umsetzung in der Hard- und Software verantwortlich. Das ist der richtige Weg, weg von Plasik, hin zu Hochtechnologie. Dies sind die Geschäftsbereiche, in denen deutsche Unternehmen punkten könn(t)en, wenn es hierfür genügend Fachkräfte gäbe oder man es verstehen würde, jene aus dem Ausland anzulocken. Beides ist jedoch leider nicht der Fall, so dass ich persönlich der „Aufschwungpropaganda“ eher kritisch gegenüberstehe. Sollte es in Bezug auf den Fachkräftemangel keine Trendwende geben (zu bedenken ist hierbei sogar, dass weiterhin jährlich tausende gut ausgebildete Fachkräfte Deutschland verlassen, nicht zuletzt weil sie im Ausland deutlich mehr netto verdienen, also „mehr netto von mehr brutto“ in der Geldbörse haben).

Balda, Handelssignal long und das Ergebnis heute

Aus dem „Fall Balda“ kann man jedoch weitere Schlussfolgerungen ziehen:

1. Nur realisierte Tradinggewinne sind etwas wert.

2. Das „blinde“ Befolgen irgendwelcher Tradingsignale kann zu hohen Verlusten führen. Wie viele Trading-Long-Signale hat es in den letzten Tagen auf die Balda-Aktie gegeben?

Auch das ist ein neuer Trend: Handelssignalplattformen sprießen wie Pilze aus dem Boden.

Auf nahezu jeder Internetplattform wird derzeit eine derartige Signalplattform etabliert.

Diese neuen technischen Möglichkeiten sind auf den ersten Blick schön und gut. Unterm Strich machen sie die Märkte jedoch kaputt (oder noch kaputter, wenn es das Wort gäbe). Bei jedem dieser Signale wird es in dem betroffenen Wert von nun ab einen gewaltigen Kursanstieg oder –einbruch geben. Das Herumgetrade nach Handelssignalen führt in der Konsequenz zu heftigen Bewegungen, unterm Strich werden diese sich jedoch gegenseitig wieder auslöschen. Wer den Signalen blind folgt, wird unterm Strich eine Null erwirtschaften, wenn ein wenig Glück dabei ist.

Es wird auch in Zukunft kein Weg daran vorbei führen, sich mit dem Gesamtmarkt, den Fundamentaldaten der jeweiligen Unternehmen, dessen Aktien man kaufen möchte und zusätzlich mit der Charttechnik, den Kauf- und Verkaufssignalen zu beschäftigen. Wer lediglich nach einer Methode handelt, läuft schnell Gefahr wie heute bei Balda „überrascht“ zu werden, dabei ist das heute gar keine Überraschung, damit musste man rechnen, leider.

Im Premium Dienst setze ich seit 2006 genau auf diese „Kombination“ aus Gesamtmarktanalyse, Fundamentalanalyse und Trendanalyse (die sich von der klassischen Charttechnik und den Signalen unterscheidet oder, wenn man so will, diese berücksichtigt, jedoch auf einen mittel- oder langfristigen Trend bezogen. Das ist ein Unterschied). Auch spielen im Langfristdepot spekulative Werte wie Balda keine Rolle. Aufgenommen werden nur Werte, die so schnell nicht einbrechen, dafür aber mittel- und meist auch langfristig beständig steigen.

leider ist es nicht möglich, das in ein automatisches Trendsystem zu gießen, denn dieses kann leider nicht denken und wissen, dass Signale bei Balda eher mit Vorsicht zu genießen sind.

Ich halte demzufolge nichts von automatischen Systemen und bleibe auch in Zukunft beim Computer, der da heißt, menschliches Gehirn, das in der Lage ist, Erfahrungen abzuspeichern, diese im Bedarfsfall abzurufen und aus der Vergangenheit zu lernen. Ein automatisches System hat jedoch den Vorteil, dass es Emotionen ausblendet, was für den einen oder anderen von Vor- aber auch Nachteil sein kann wie oft hat uns unser „Bauchgefühl“ gewarnt?).

Die Verhaltensweise der breiten Masse der Anleger wird sich nicht ändern, Handelsignale hin oder her.

3 KOMMENTARE

  1. …dem habe ich nichts mehr hinzuzufügen, wie immer teile ich Ihre Ansichten. Der Mensch ist nun einmal nicht zu ersetzen.

  2. Zu Handelsschluss hat sich Balda noch mächtig erholt und sogar deutlich im Plus geschlossen.
    Dennoch sollte man aufpassen, das stimmt schon!

  3. Stimmt, Stefan, hier sind große Zocker dran, die die Aktie ganz nach Belieben long oder short traden, so dass man als „Normaltrader“ ab einer gewissen Überhitzung seine Gewinne besser realisiert. Immerhin konnte jeder mit der Aktie ab „Entdeckung“ der Story 50-100% Gewinn erzielen.

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