Apple wieder top? Oder: Diesmal lag ich falsch und der PC richtig

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Bezüglich der Aktie von Apple habe ich mich in meinen Analysen Anfang 2013 wohl geirrt?
Der Aktie habe ich wenig zugetraut, aktuell gehört Apple jedoch schon wieder zu den Börsenlieblingen. In meinem letzten Tagebucheintrag (siehe unten) habe ich mich gefragt, wie wir zu unseren Investmententscheidungen gelangen. Bei Apple habe ich mich Anfang 2013 dafür entschieden, die Aktie nicht mehr zu kaufen. Diese Entscheidung stellt sich jetzt als eine „falsche“ heraus.

Unser Trend-System ist bezüglich Apple anderer Meinung gewesen als ich und hat die Apple-Aktie zuletzt Mitte Mai dieses Jahres „eingewechselt“.

Aktuell liegt Apple in diesem Depot 13,25% im Gewinn.
Trifft der Computer womöglich die „besseren“ oder „richtigeren Entscheidungen“ als wir mit unserem sicherlich oft zu kompliziert denkenden menschlichen Gehirn?

Zunächst ein kurzer Rückblick auf das, was mein Gehirn mir Anfang 2013 u.a. „lieferte“ (bzw. was ich davon „zu Papier“ brachte):

Geschrieben hatte ich hier im Tagebuch Anfang 2013 u.a.:

„… Die Großinvestoren sind anfangs nicht bereit, einer „Turn Around Story“ (Apple stand 1997 vor der Pleite) irgendwelche Aufmerksamkeit zu schenken. Erst nachdem ersichtlich geworden ist, dass an der Story „irgendetwas dran“ sein könnte, beginnen die ersten, sich mit dem Unternehmen ein wenig näher zu beschäftigen. Nachdem sich ein stabiler Aufwärtstrend der Aktie aufgebaut hat, springen immer mehr auf den bereits langsam fahrenden Zug auf. Value-Investoren werden hingegen nahezu bis zuletzt außen vor bleiben, da die Aktie „viel zu teuer“ sei usw.

Eines Tages wird die „viel zu hohe“ Bewertung endlich von den tatsächlich auf dem Papier stehenden Zahlen relativiert, sprich: Die entspr. Aktie, die jahrelang zu teuer gewesen ist, als dass deren Kauf „gerechtfertigt gewesen wäre“, wird urplötzlich sehr interessant- für Anleger, die sehr viel Wert auf eine „angemessene Bewertung“ derjenigen Aktien legen, in die sie investieren wollen.

Leider beginnt genau zu diesem Zeitpunkt der „Turn Around nach unten“; die jahrelang überdurchschnittlich hohen Wachstumsraten verlangsamen sich zusehends. (Wodurch eine Aktie, die „billig“ ist, plötzlich anfängt, wieder teurer zu werden…)

Da die Börse bei derartigen Wachstums-Werten wie es Apple in den letzten Jahren gewesen ist, vor allem zukünftig hohes Wachstum „bezahlt“, kann es vorkommen, dass der Kurs der Aktie zu fallen beginnt, obwohl das Unternehmen einen Rekordgewinn nach dem anderen meldet.

Aus der Wachstumsstory wird in vielen Fällen eine Value-Story oder aber es beginnt der tiefe Fall des Unternehmens (Siehe Nokia, HP, Dell usw.)…

…Meiner Meinung nach könnten wir uns in der Apple-Aktie nun an der Stelle der Unternehmensgeschichte befinden, an der ich oben in den Langfrist-Chart den blauen Pfeil und das Fragezeichen eingefügt habe??!!

Demnach wäre ab sofort jede neue kräftige Trendbewegung nach oben eine ganz hervorragende VERKAUFs-Chance oder aber: Man behält die Aktie und kann sich in fünf oder zehn Jahren darüber freuen, dass man jedes Jahr eine höhere Dividende ausgezahlt bekommt. Die Zeit des gigantisch schnellen Kursanstiegs dürfte sich meiner Meinung nach jedoch jetzt oder in ein, zwei Jahren ihrem Ende nähern…

Die Apple-Aktie sollte folglich, glaubt man den üblichen Trendmustern (siehe oben MSFT), kaum weiter einbrechen.

Sämtliche Fundamentaldaten des Unternehmens sprechen dafür, dass aus der Wachstumsaktie Apple in der Zukunft eine „absolute Value-Aktie“ werden könnte…“

Diesen Tagebuch-Beitrag nochmals komplett lesen hier

 

Fazit: Im „Fall Apple“ hat der Computer diesmal die „bessere“ Entscheidung als ich getroffen.

Wäre es demzufolge sinnvoller oder Gewinn bringender, den Computer für sich arbeiten zu lassen?

Rückblickend kann ich heute jedoch ebenso resümieren, dass der PC auch „falsche“ Entscheidungen getroffen hat:
So wurde z.B. die Aktie von Gilead Sciences in ihrer letzten Korrekturphase „ausgewechselt“. Ende letzter Woche hat Gilead jedoch neue Allzeithöchstkurse erklommen.

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Wer die Aktie von Gilead Sciences in ihrer Korrekturphase gekauft hatte, liegt aktuell zweistellig im Gewinn….

(Zu Gilead hatte ich in meinem Premium-Dienst Mitte Mai geschrieben: „Die Aktie des schnell wachsenden US-Biotech-Unternehmens geriet in den letzten Wochen massiv unter Druck, nachdem einige US-Kongress-Mitglieder in offenen Briefen ihre Meinung zum Ausdruck gebracht hatten, dass das Unternehmen zu hohe Preise für seine innovativen Medikamente fordere. Analysten befürchteten, dass es jenen Kräften gelingen könnte, am Ende doch niedrigere Preise für die Medikamente der Pharma-Unternehmen durchzusetzen. (Was jedoch eine reine Spekulation darstellt.) Die Folge war eine Verkaufswelle von Aktien aller Unternehmen, die diese möglichen Preissenkungen treffen könnten.

Andere Investoren begründeten ihre Verkäufe (z.B. von Gilead-Aktien) damit, dass die „Wachstumsphase“ des Unternehmens nun abgeschlossen sei und die Aktie von Gilead vor ihrer „Metamorphose von einer Wachstumsaktie zu einer Value-Aktie“ stünde.

Nachdem sich die Zweifler aus der Aktie verabschiedet hatten, konnte der Kurs wieder steigen. (Siehe auch meine Ausführungen zum Thema „Bullenfalle“ oben!)

Was bei all der Panik wohl ganz in Vergessenheit geraten ist, sind die Fundamentaldaten des Unternehmens und die Bewertung der Aktie:

Der Gewinn je Gilead-Aktie soll im kommenden Jahr um 24% gesteigert werden. (Das klingt realistisch, da neue Medikamente ihre Zulassung erhalten haben.)

Die Aktie ist für das kommende Jahr mit einem KGV von lediglich 10 bewertet. Ein KGV von 10 bei einem erwarteten Gewinn-Wachstum von über 20% ist bereits „viel zu billig“ (Wachstumsaktien wird ein KGV zugestanden, das in etwa dem der erwarteten Wachstumsrate entspricht) oder: Die Aktie von Gilead Sciences wird bereits niedriger bewertet als die von etablierten alteingesessenen Pharma-Konzernen, deren Gewinne nur noch im einstelligen Bereich wachsen. Oder: Der Aktienkurs von Gilead könnte sich verdoppeln, ohne dass wir es hier mit einer Bewertungs-Blase zu tun hätten!

Fazit: Die Aktie von Gilead ist bereits eine „Value-Aktie“! Eine Metamorphose muss nicht mehr einsetzen, diese hat bereits stattgefunden…)

(Premium Dienst Ende und Fazit: Meine Analyse stellt sich aktuell als „richtig“ heraus.)

 

(Zwischen)Fazit für heute (dieses Thema könnte das Thema für ein ganzes Buch darstellen):

Der PC trifft (oft)„andere Entscheidungen“ als unser Gehirn.
Ob es die „richtigen“ oder die „besseren“ sind, kann man nicht grundsätzlich sagen. Über den langfristigen Börsenerfolg entscheidet die Summe* aller („richtigen“) Entscheidungen. Ein erfahrener Anleger wird im Laufe der Jahre immer mehr „richtige“ Anlageentscheidungen treffen können bzw. wird es (er)lernen, diese zu treffen- vorausgesetzt, er/sie zeigt sich lernwillig oder –fähig (aber Letzteres muss man schlichtweg voraussetzen)…

(*mit „Summe“ ist jedoch nicht gemeint, dass man möglichst viele Entscheidungen treffen muss/ sollte- im Gegenteil: Wer langfristig denkt und agiert, der wird mit der Zeit immer weniger Handelssentscheidungen treffen. Auf diese Weise entstehen hohe Gewinne und weniger Stress oder: „Die Höhe der Gewinne steigt, das Stresslevel fällt“!)

Der PC bzw. ein Computerprogramm- gefüttert mit den „richtigen“ Daten!!- kann ebenfalls auf lange Sicht hohe Renditen „erwirtschaften“. (Es gilt bekanntlich immer: „Garbage in-garbage out!“- „Wenn man den PC mit Müll füttert, wird er Müll ausspucken“!- und umgekehrt…)

Mehr zu unserem Trend-System (und andeutungsweise, womit wir den PC gefüttert haben, damit er in der Summe „bessere“, „richtigere“ Entscheidungen- oder schlichtweg; damit er „überhaupt“ Entscheidungen trifft) habe ich Hier kurz zusammengefasst.

 

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